Eine bevölkerungsweite Kohortenstudie liefert neue Erkenntnisse zur Prävalenz von Typ-1-Diabetes im Frühstadium bei jungen Erwachsenen und schließt damit eine Lücke in der bisherigen Forschung. Anhand von Proben aus den LISA- und GINIplus-Kohorten sowie den in der Fr1da-Studie etablierten Methoden zeigen Forschende des Instituts für Diabetesforschung und des Instituts für Epidemiologie von Helmholtz Munich das Potenzial von Typ-1-Diabetes Früherkennung im jungen Erwachsenenalter. Die Ergebnisse wurden in The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht.
Frühstadien über das Kindesalter hinaus verstehen
Typ-1-Diabetes ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Lange Zeit wurde die Erkrankung vor allem mit dem Kindesalter in Verbindung gebracht. Inzwischen gilt jedoch als gesichert, dass sie sich ebenso im Jugend- und Erwachsenenalter entwickeln kann. Vor diesem Hintergrund untersuchten Forschende von Helmholtz Munich die Prävalenz von Typ-1-Diabetes im Frühstadium bei jungen Erwachsenen – ein Bereich, der bislang wenig Beachtung fand.
Die Studie entstand in enger Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Epidemiologie (EPI) und dem Institut für Diabetesforschung (IDF). Die Forschenden untersuchten Proben von 1.377 Teilnehmenden aus den Langzeitstudien LISA und GINIplus, die ihre Proband:innen von der Geburt an bis ins junge Erwachsenenalter begleiten. Die Teilnehmenden wurden dabei bis zu einem Alter von 25 Jahren regelmäßig untersucht. Die Blutproben wurden anhand der im Rahmen der Fr1da-Studie entwickelten Verfahren auf Inselautoantikörper untersucht.
Inselautoantikörper entwickeln sich auch im Alter zwischen 15 und 25 Jahren
Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 1,2 Prozent der zuvor nicht diagnostizierten jungen Erwachsenen positiv auf Inselautoantikörper getestet wurden, darunter 0,2 Prozent der Teilnehmenden, die die Kriterien eines Typ-1-Diabetes Frühstadiums erfüllen – Prävalenzen, die mit denen bei Kindern vergleichbar sind – sowie weitere 1,0 Prozent, die nur einen einzelnen Autoantikörper aufwiesen. Längsschnittanalysen zeigten, dass die Mehrheit der Autoantikörper-positiven Personen diese Marker bereits bis zum Alter von 15 Jahren entwickelt hatten, jedoch auch nach diesem Alter neue Fälle von Insel-Autoantikörpern auftraten. Dies weist darauf hin, dass frühe immunologische Anzeichen von Typ-1-Diabetes häufig erst im Jugend- und jungen Erwachsenenalter auftreten.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass frühe Stadien von Typ-1-Diabetes auch in der erwachsenen Bevölkerung vorkommen. Die Forschenden schließen daraus, dass eine Ausweitung bestehender, bislang vor allem auf Kinder ausgerichtete Screeningprogramme auf junge Erwachsene sinnvoll sein kann – insbesondere, wenn junge Erwachsene im Jugendalter nicht getestet wurden.
Beteiligte DZKJ PIs:
Dr. Marie Standl
Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler