Migräne oder Epilepsie – im Kindesalter oft schwer zu unterscheiden

Tägliche Kopfschmerzen bei Kindern werden häufig als Migräne eingeordnet. Eine Studie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zeigt nun: Hinter den Beschwerden kann in vielen Fällen eine gutartige Form der Epilepsie stecken. Die richtige Diagnose ermöglicht eine gezielte Behandlung mit anfallshemmenden Medikamenten und kann die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit deutlich lindern.

Als der damals dreijährige Max im Jahr 2017 an die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) kommt, suchen seine Eltern Hilfe wegen seiner täglichen Kopfschmerzen. Nachts wird er immer wieder wach, schlägt um sich, muss manchmal sogar erbrechen.

Im Sozialpädiatrischen Zentrum der UMG wird Max umfassend untersucht. Unter anderem wird ein Elektroenzephalogramm (EEG) durchgeführt, um die Hirnströme zu messen. Zwar sprechen die Symptome zunächst für eine Migräne, doch die behandelnden Ärzt*innen vermuten eine andere mögliche Ursache: eine bestimmte Form der Epilepsie, die sich vor allem durch Kopfschmerzen äußern kann.

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Schnelle Besserung durch die richtige Therapie

Max‘ Geschichte ist kein Einzelfall. Forschende der UMG haben die Daten von 186 Kindern im Alter von drei bis 14 Jahren ausgewertet, die mit der Diagnose Migräne oder Kopfschmerzen an die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG überwiesen worden waren. „Mit unserer Studie konnten wir erstmals zeigen, dass sich häufiger als bislang angenommen hinter vermeintlichen Migräneattacken bei Kindern tatsächlich eine gutartige Epilepsie verbirgt. Diese Erkenntnis ist für die betroffenen Kinder von großer Bedeutung, denn im Gegensatz zu einer Migräne lässt sich diese Form der Epilepsie in der Regel sehr gut behandeln“, sagt Prof. Dr. Knut Brockmann, Oberarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG und DZKJ-PI.

Studie liefert Zahlen

Die Forschenden werteten rückblickend die Krankengeschichten, EEG-Befunde und Behandlungsergebnisse von 186 Kindern aus. Insgesamt erhielten 35 Kinder (18,8 Prozent) eine mögliche, wahrscheinliche oder gesicherte Diagnose für eine SeLEAS, bei zwölf Kindern (6,5 Prozent) konnte diese Epilepsie-Form sogar eindeutig diagnostiziert werden.

„Unser Ziel ist nicht, dass künftig jedes Kind mit Kopfschmerzen als Epilepsiepatient*in betrachtet wird. Aber wenn die Beschwerden sowohl zu einer Migräne als auch zu einer SeLEAS passen, sollte die Möglichkeit einer Epilepsie konsequent mitgedacht werden. Ein EEG kann in diesen Fällen entscheidende Hinweise liefern und frühzeitig zur richtigen Diagnose führen“, sagt Prof. Brockmann.

Vollständige Pressemitteillung der Universitätsmedizin Göttingen finden Sie unter folgendem Link: https://www.umg.eu/news-detail/news-detail/detail/news/migraene-oder-epilepsie-im-kindesalter-oft-schwer-zu-unterscheiden/

Ansprechpartner Fachbereich:
Prof. Dr. Knut Brockmann, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Telefon 0160 / 97994073, knut.brockmann@med.uni-goettingen.de

Foto: umg/frank stefan kimmel